
Das Zeitfahren Von Thonon Stellt Das Neue Duell Pogačar-Evenepoel Auf Die Probe
Die Tour de France wird am Dienstag nach dem zweiten Ruhetag mit einer Etappe fortgesetzt, die den Kampf um das Podium neu ordnen kann. Die 16. Etappe ist ein 26,1 Kilometer langes Einzelzeitfahren von Évian-les-Bains nach Thonon-les-Bains. Das Ufer des Genfersees bildet die Kulisse für den ersten Wettkampf der letzten Tour-Woche.
Die Strecke ist kein einfacher Kurs nur für die stärksten Zeitfahrspezialisten. Insgesamt sind ungefähr 500 Höhenmeter zu bewältigen, die größtenteils im ersten Abschnitt liegen. Die wichtigste Schwierigkeit ist die Côte de Larringes, ein Anstieg der zweiten Kategorie, dessen Gipfel nach 9,7 Kilometern erreicht wird. Die durchschnittliche Steigung von 4,3% macht die Einteilung der Kräfte, die Materialwahl und die Fähigkeit zu Rhythmuswechseln besonders wichtig.
Nach dem Anstieg verändert sich der Charakter des Zeitfahrens. Eine etwa sechs Kilometer lange Abfahrt belohnt Selbstvertrauen und Präzision. Im flacheren Schlussabschnitt nach Thonon-les-Bains können die Spezialisten anschließend ihre aerodynamische Position und hohe Geschwindigkeit ausspielen. Das abwechslungsreiche Profil könnte einen zu schnellen Start ebenso bestrafen wie einen übervorsichtigen Beginn, bei dem zu viel Zeit aufgeholt werden muss.
Remco Evenepoel zählt zu den großen Favoriten auf den Etappensieg. Der Belgier und dreifache Weltmeister in dieser Disziplin beginnt die letzte Woche nach seinem Erfolg auf dem Plateau de Solaison als Gesamtzweiter. Sein Rückstand von fünf Minuten auf Tadej Pogačar macht einen Wechsel im Gelben Trikot sehr unwahrscheinlich. Das Zeitfahren bietet ihm jedoch die wertvolle Möglichkeit, seinen neuen Rang abzusichern und den Abstand vor den verbleibenden Alpenetappen zu verkürzen.
Pogačar hat allerdings mehrfach bewiesen, dass er auch gegen die Uhr mit den Besten mithalten kann, selbst auf einem Gelände, das Evenepoel entgegenzukommen scheint. Der Gesamtführende könnte seinen Vorsprung kontrolliert verwalten. Seine offensive Mentalität und das Prestige eines weiteren Tour-Sieges sprechen jedoch dagegen, dass er nur defensiv fährt. Die Etappe ermöglicht den ersten direkten Vergleich der beiden, seit Jonas Vingegaards Ausscheiden das Gesamtklassement grundlegend verändert hat.
Hinter dem Spitzenduo könnten noch kleinere Abstände entscheidend sein. Isaac del Toro beginnt den Tag auf Rang drei und liegt 58 Sekunden hinter Evenepoel. Paul Seixas hat nur 25 Sekunden Rückstand auf den Mexikaner, Florian Lipowitz liegt weitere 25 Sekunden zurück. Alle haben realistische Chancen auf das Podium in Paris. Damit ist das Zeitfahren für den dritten Platz fast genauso wichtig wie für den Tagessieg.
Auch Spezialisten wie Filippo Ganna, Joshua Tarling und Mathias Vacek wollen die Bestzeit fahren. Der ansteigende Beginn verhindert möglicherweise einen reinen Leistungstest für schwere Fahrer. Der schnelle Weg ins Ziel bietet ihnen aber ausreichend Gelände, um ernsthafte Siegkandidaten zu bleiben.
Der erste Fahrer startet um 13:00 Uhr in Évian-les-Bains. Die wichtigsten Klassementfahrer gehen am späten Nachmittag in umgekehrter Reihenfolge auf die Strecke: Seixas um 17:09 Uhr, Del Toro um 17:11 Uhr, Evenepoel um 17:13 Uhr und Pogačar um 17:15 Uhr. Die Ankunft des Gelben Trikots in Thonon-les-Bains wird gegen 17:50 Uhr erwartet.
Orcières-Merlette und zwei aufeinanderfolgende Bergankünfte in Alpe d'Huez stehen noch bevor. Das Zeitfahren am Dienstag wird daher nicht jeden Kampf entscheiden. Es zeigt aber, wer sich am besten erholt hat, legt die Rangordnung vor den letzten Bergen fest und gibt eine Antwort auf die Frage, ob Evenepoel seinen Sieg von Solaison in dauerhaften Druck auf Pogačar verwandeln kann.