Der Col Du Haag Stellt Pogačar Und Vingegaard Auf Dem Weg Nach Le Markstein Eine Falle
Die Tour de France kehrt heute mit einer kurzen, aber unerbittlichen Etappe in die Berge zurück. Der 14. Tagesabschnitt führt über 155,3 Kilometer von Mulhouse nach Le Markstein Fellering und vereint 3.800 Höhenmeter sowie vier kategorisierte Anstiege auf einer Strecke, die kaum Zeit zur Erholung lässt.
Die Kletterarbeit beginnt fast unmittelbar nach dem Start. Nach rund 15 vergleichsweise einfachen Kilometern wartet der Grand Ballon, ein 21,6 Kilometer langer Anstieg der ersten Kategorie mit durchschnittlich 4,7%. Dieser Mittelwert verbirgt mehrere deutlich schwerere Abschnitte. Zudem könnte der Kampf um die Fluchtgruppe bereits die erste Rennstunde besonders hart machen.
Nach der ersten Passage im Zielbereich geht es weiter zum Col du Page, einem Anstieg der zweiten Kategorie über 9,8 Kilometer bei 4,7%. Anschließend steht der Ballon d'Alsace zum zweiten Mal innerhalb von zwei Tagen im Programm, diesmal mit 8,9 Kilometern bei 6,9%. Seine Abfahrt und weitere nicht kategorisierte Anstiege werden vor dem entscheidenden Finale zusätzliche Kräfte kosten.
Im Mittelpunkt steht der Col du Haag, der seine Premiere bei der Tour feiert. Die schmale und unregelmäßige Straße steigt über 11,2 Kilometer mit durchschnittlich 7,3% an; einzelne Rampen erreichen etwa 15%. Flachere Passagen unterbrechen eher den Rhythmus, als echte Erholung zu bieten. Die steilen ersten Kilometer und ein weiterer schwerer Abschnitt nahe dem Gipfel schaffen mehrere mögliche Angriffspunkte.
Vom höchsten Punkt bleiben nur rund sechs Kilometer bis Le Markstein. Das Finale ist deutlich flacher, weshalb ein Fahrer nach einer erfolgreichen Attacke am Haag auch auf dem Plateau weiter Druck machen muss. Kleine Gruppen können sich dort zugleich neu organisieren, sodass Zusammenarbeit und taktisches Zögern fast ebenso wichtig werden wie die Kletterstärke.
Tadej Pogačar startet im Gelben Trikot mit 3:36 Minuten Vorsprung auf Jonas Vingegaard. Der Slowene gewann bereits 2023 in Le Markstein, damals allerdings als Trostpreis, während der Däne die Gesamtwertung sicher kontrollierte. Nun sind die Rollen vertauscht: Pogačar verfügt über den Vorsprung, während Vingegaard Chancen schaffen muss, anstatt nur auf die letzte Woche zu warten.
Der Kampf hinter dem Spitzenduo ist noch enger. Remco Evenepoel liegt auf Rang drei, doch Tom Pidcock rückte dank seines großen Zeitgewinns aus der Fluchtgruppe der 13. Etappe bis auf neun Sekunden an das Podium heran. Auch Juan Ayuso und Paul Seixas liegen nah genug, um jede Schwäche zu nutzen. Wie gut sich Pidcock von seinem enormen Einsatz auf dem Weg nach Belfort erholt hat, ist eine der großen Fragen des Tages.
Eine starke Ausreißergruppe besitzt realistische Chancen auf den Etappensieg, besonders wenn UAE Team Emirates-XRG das Gelbe Trikot verteidigt, ohne jede Attacke zu kontrollieren. Legt Pogačars Mannschaft dagegen ein hohes Tempo vor, könnten die Ausreißer gegenüber einem weiteren direkten Duell der Favoriten in den Hintergrund treten.
Le Markstein wird die Tour nicht zwingend entscheiden, zumal am Sonntag mit dem Plateau de Solaison bereits die nächste Bergankunft wartet. Die Etappe kann aber Schwächen offenlegen, Pogačars Kontrolle stärken oder Vingegaard und die übrigen Podiumskandidaten zurück in den Kampf bringen. An einem Tag fast ohne harmloses Gelände ist der Col du Haag bereit, sein Urteil zu sprechen.