Van der Poel jagt sich den Sieg in Ussel — am heißesten Tag der Tour
Mathieu van der Poel hat endlich seine Etappe bei der Tour de France 2026 — und er holte sie sich auf die harte Tour: aus der Ausreißergruppe, über vier kategorisierte Anstiege, bei einer Gluthitze, die so gefährlich war, dass die Organisatoren die Strecke um 30 Kilometer kürzten. Bei Temperaturen jenseits der 38 Grad und roter Hitzewarnung über der Corrèze war der verkürzte Tag durchs Zentralmassiv zu hart für die Sprinter und zu leicht für einen Schlagabtausch der Favoriten — eine Etappe wie gemacht für die Mutigen.
Vier Männer brachten die Fluchtgruppe des Tages durch: Van der Poel, Tom Pidcock, der Norweger Tobias Johannessen (Uno-X) und Alex Baudin (EF). Eine Kaffeefahrt war es nicht. Pidcock attackierte an jeder Kuppe, Van der Poel zog die Gruppe in jeder Abfahrt auseinander, und dahinter gab eine erbitterte Verfolgung um Filippo Ganna und Mads Pedersen niemals auf. Der Vorsprung des Quartetts pendelte fast das ganze Finale um eine Minute, und das Katz-und-Maus-Spiel im letzten Kilometer wäre fast böse ausgegangen: Das heranfliegende Feld überquerte die Linie nur sechs Sekunden später.
Doch als die vier Überlebenden in Ussel in die letzte Kurve bogen, konnte es nur einen Sieger geben. Der explosivste Fahrer seiner Generation eröffnete den Sprint, die Lücke war sofort da, und Van der Poel hatte sogar Zeit, sich aufzurichten und den Moment zu genießen: Johannessen Zweiter, Pidcock Dritter, Baudin Vierter.
Die Favoriten schlossen derweil in der Hitze einen stillen Waffenstillstand und kamen gemeinsam ins Ziel — die Gesamtwertung blieb unangetastet: Tadej Pogačar behält das Gelbe Trikot mit 2:42 Vorsprung auf Jonas Vingegaard. An einem Tag, an dem es schon ein Erfolg war, Ussel überhaupt zu erreichen, erinnerte Van der Poel daran, dass es niemanden wie ihn gibt, wenn die Straße sich aufbäumt und das Rennen wild wird.